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Gespräch mit dem Lehrer H. Kircheis

Am Samstag, den 18.08.2007

verabredeten wir uns im „Cafè Pfützner“ in Leipzig mit dem ehemaligen Lehrer Herrn Harald Kircheis.

 

 

R.K.: Hallo Herr Kircheis, schön Sie nach langer Zeit wiederzusehen. Wie geht es Ihnen?

H.K.: Oh ja, ich freue mich auch und trotz meines Alters komme ich so einigermaßen zurecht.

R.K.: Welche Ereignisse aus Ihrem Leben sind Ihnen in Erinnerung geblieben oder nennen wir es die Kurzbiografie von Harald Kircheis?

H.K.: Tja, versuchen wir es mal. Geboren wurde ich 1921 in Leipzig. 1939 machte ich mein Abitur an der “Petrischule“ und begann kriegsbedingt ein verkürztes Studium zum Volksschullehrer. Danach wurde ich zum Reichsarbeitsdienst eingezogen anschließend zur Wehrmacht. Im Jahre 1941, zwei Tage vor Weihnachten lagen wir in einer Stellung 25 km vor Moskau an der Rusa. In dieser eisigen Kälte erfroren meine Füße und ich kam mit Erfrierungen 2-3 Grades ins Lazarett. Den 1. und 2. Weihnachtsfeiertag verbrachte ich beim Rücktransport in Warschau danach ging es über Leipzig ins Krankenhaus nach Darmstadt – Eberstadt. Von 1923 bis 1948 wohnte ich sozusagen bei meinen Eltern in der Waisenhausstr.13.
1948 heiratete ich und im gleichen Jahr wurde auch meine Tochter geboren.

R.K.: Wann begann eigentlich Ihre Lehrtätigkeit an der damaligen 50. Volksschule?

H.K.: So ganz genau kriege ich das jetzt nicht hin, ich glaube von ca. 1955 bis zum Anfang der siebziger Jahre.

R.K.: Und danach ?

H.K.: Ich leide Zeit meines Lebens an einer seltenen und bis heute noch recht unbekannten neurologischen Erkrankung der Narkolepsie. Dies führte zur vorzeitigen Beendigung meines Lehrerberufes. Danach verdiente ich meinen Lebensunterhalt als ungelernter Gärtner mit einem Stundenlohn von 2,50 Mark. Na ja, so ist es im Leben, muss man eben nehmen wie es ist. 1992 verstarb meine Frau im „Friesenkrankenhaus“, ausgerechnet an dem Tag an dem sie eigentlich entlassen werden sollte!

R.K.: Respekt Herr Kircheis und wie geht es Ihnen heute?

H.K.: Nun, wie schon gesagt, es geht. Medikamentös bin ich recht gut eingestellt, ich lebe seit dem Tod meiner Frau allein. Und jetzt freue ich mich auf meinen Kaffe hier im „Pfützner“ meinem Stammlokal und auf einen schönen Eisbecher.

R.K.: Herr Kircheis ich danke Ihnen für das Gespräch und die Erlaubnis zur Veröffentlichung. Persönlich wünschen wir Ihnen alles Gute.

H.K.: Auch ich grüße bei dieser Gelegenheit meine ehemaligen Schüler, Kollegen und alle die sich noch an mich erinnern. Alles Gute!

(Anm. Narkolepsie : Auffälligstes Merkmal einer Narkolepsie ist die Tagesschläfrigkeit, die sich durch Einschlafattacken zu jeder Tageszeit und in den außergewöhnlichsten Situationen zeigt.)

 

 

Her Kircheis verstarb im Februar 2015 im Alter von 94 Jahren in Leipzig.