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Wunder gibt es immer wieder?

Die Fliege am roten Faden

erzählt von Jürgen Schulze

Im Sommer des Jahres 1963 beendete ich mein Studium an der Karl-Marx-Universität in Leipzig und hatte das unglaubliche Glück, in Leipzig als Lehrer eingesetzt zu werden, da es da einen Stadtbezirk gab, dessen Schulen alle Tagesschulen waren. Die meisten Ehemaligen, werden wissen, worum es sich dabei handelte, wird doch heutzutage wieder von derlei Konstrukten gesprochen - besser gesagt - geschwatzt, viele, die davon reden, wissen nicht so recht, wie das gehen soll. Ich jedenfalls war damals zwanzig Jahre alt, unterrichtete alle Klassen ab der 5. Klassenstufe im Fach Musik und lernte auf diese Weise unglaublich viele Kinder kennen. Man kann sich vorstellen, daß man als Lehrer sehr viele und interessante Erlebnisse hatte. Von einem möchte ich erzählen, es könne sein, daß vielleicht mancher von dieser tollen Leistung zweier Schüler einer damals 9. Klasse gehört hat.
Wir hatten einen jungen Lehrer für Mathematik und Physik, der wie ich 1963 mit seiner Tätigkeit an der 50.Oberschule begann und der eines Tages in der großen Pause im Lehrerzimmer erschien und völlig aus dem Häuschen über ein Erlebnis war, das er in der Klasse 9a im Fach Physik hatte. Mit leuchtenden Augen, roten Ohren - er hatte davon zwei wohlfeile Exemplare – sprach er:“ Ich als Physiker glaub doch nicht an Wunder. Plötzlich flog ein roter Faden durch die Luft. Ich konnte mir das nicht erklären.“ Ein jeder, der das hörte, war höchlichst erstaunt, wie so etwas passieren kann. Eine genauere Erklärung dieses Wunders erfolgte vom Kollegen nicht, ich erfuhr dies aber in der darauf folgenden Stunde, als ich eine völlig aufgelöste Klasse 9a vor mir hatte, die vor Begeisterung noch außer sich war. Da ich sehr verwundert war, fragte ich nach, was denn los sei und dann erzählten mir die Schüler den Hergang. Zwei Jungen – W.S. und K.- P. G. – hatten, wie es schien, etwas Langeweile und beobachteten eine Fliege. W. Fing sie und K.- P. band diesem Tierchen einen roten Faden an eines seiner Beinchen. Dann ließen sie die Fliege starten, und damit versetzten sie ihren wunderungläubigen Physiklehrer in höchste Verwirrung. Ich glaube, ich habe nur gesagt, daß beiden für diese unglaubliche Filigranarbeit ein besonderes Lob ausgesprochen werden sollte.
Beide Jungen sind tüchtige Leute geworden und werden im nächsten Jahr 60. So vergeht die Zeit, wenn ich mich heute mit ihnen unterhalte, dann tue ich das von Großvater zu Großvater.
04.04.2008

 

Hausaufgaben Erinnerungen an meine Schulzeit