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Erinnerungen an meine Schulzeit

Jahrgang 1949 von Lothar Thiel

Zum Klassenfoto von 1950, von 39 Schülern waren bestimme 10 Umsiedler, andere ausgebombt. Viele ohne Vater (gefallen vermisst oder noch in Gefangenschaft) meist beengte Wohnverhältnisse.
Schulanfang 1949 - Die Zuckertüten meist mit Papier ausgestopft oben ein paar auf Zuckermarken erstandene Bonbons. Die Schulranzen hatten schon einige Vorbesitzer, Eltern, größere Geschwister u. ä. Manche hatten noch, einen „Affen“. Das waren Soldatentornister aus dem 1. Weltkrieg! Die hießen so weil die große Verschlussklappe mit braunem Fell überzogen war. In der Klasse war an jedem Platz ein kleines Bild angebracht. Größere Schüler hatten es gemalt (Obst, Blumen u. ä.). Damit jeder am nächsten Tag seinen Platz wieder fand.
Laternenumzug 1951 - Damals wurde auch schon das Lied „Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir“ gesungen. Das war aber nicht ganz korrekt. Für etwa 40 Schüler waren etwa 6 - 7 Laternen vorhanden. Diese verteilte der Lehrer an die Besten. Die Anderen guckten neidisch auf die Laternenträger.
Schulspeisung - Im ewig halbdunklen „Esskeller" wurde meist Eintopf aus riesigen eisernen Kübeln mit einer Kelle ausgeteilt. Gegessen wurde an langen Tischen mit ebenso langen Holzbänken ohne Lehne, Essgeschirr musste mitgebracht werden. Da war alles vertreten, mehrmals gelötete Töpfe, verbeulte Alu-Schüsseln, ovale Soldatengeschirre mit Henkel usw. Manche Löffel trugen den Reichadler (das Hakenkreuz war herausgekratzt). Während des Unterrichts verzierten diese Behältnisse die Fensterbretter im Klassenzimmer. Im Sommer aßen wir auf dem Hof. Einmal gab es eine Grießpampe die keiner aß. In einem Gatter im Hof hielt sich Hausmeister Thiele zwei Gänse. Wir stachen den Grieß mit dem Löffel ab und warfen ihn in das Gatter. Am Ende waren die Gänse völlig mit Grieß bekleckert und unsere Töpfe leer. Beliebt waren die Brötchen welche es sonnabends gab, Anfangs schwarze später weiße. Pro Schüler ein Brötchen. Herr Gura, Vorname Andreas, stammte aus Österreich, war ein guter Lehrer, lehrte meist Deutsch. Unordnung, Liederlichkeit konnte er nicht leiden. Wer etwas vergessen oder verloren hatte konnte sich auf etwas gefasst machen. Umso schadenfroher war die ganze Klasse bei folgendem Ereignis. An einem Wandertag stiegen wir in Dahlen aus dem Zug. Herr Gura ließ bereits antreten und abzählen als er bemerkte, dass seine Jacke noch im Zug hing. Er hechelte neben dem bereits abfahrenden Zug her und schrie: "Meine Jacke, meine Jacke“. Ein Reisender erbarmte sich und schmiss die Jacke, unter dem Gelächter der ganzen Klasse, auf den Bahnsteig. Herr Hundt war ein netter Lehrer. Während des Wandertages kamen wir an einem Schild vorbei, "Hunde sind an der Leine zu führen“. Da wurden natürlich Anspielungen gemacht, Herr Hundt war aber nicht beleidigt, er konnte sogar selbst darüber lachen.

 

Herzliche Grüße Lothar Tel. 0341/9417631

 

Wunder gibt es immer wieder? Der Laubfrosch