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Die selbstgenähten Glockenhosen

eine Geschichte

erzählt von Roland Körnig

Soweit ich mich erinnere, schrieb man das Jahr 1970/71. Die BeeGees sangen immer noch ihr „Don't forget to remember“. Jedenfalls waren Schlaghosen, auch Glockenhosen genannt, angesagt. Aber die gab es damals natürlich in keinem Kaufhaus oder Geschäft. Irgendwie kannte, ich glaube Claus Rödel, einen Schneider in Leipzig-Lindenau. Der nähte uns die Hosen für 35.-Mark, den Stoff musste man selbst kaufen. Außerdem war der gute Mann völlig ausgebucht, es dauerte also sehr lange. Mein damaliger Kumpel und Mitschüler Hartmut Füchsel hatte dann die Superidee - wir nähen selbst. Mit einer alten SINGER Nähmaschine begann seine Produktion. Die Hosen gingen weg wie warme Semmeln. Doch plötzlich hatte kaum noch jemand Geld für Stoffe. Da kam mir die Idee - wir probieren es mit den Verdunklungsvorhängen des Musik/Filmzimmers. Hartmut testete den Stoff und meinte –ist okay– die verblichene Seite kommt nach innen. Nachdem wir die Musik/Filmzimmervorhänge zu Hosen verarbeitet hatten, war wieder „Ebbe“. Erstaunlicher Weise hatte keiner etwas bemerkt. Aber da gab es ja noch die Aula und wieder schwarze Verdunklungsvorhänge. Die waren besonders lang und ergiebig. Als ich mich eines Tages nach Schulschluss zur „Beschaffung“ in die Aula aufmachte, ergab sich folgendes Problem. Ich begann am ersten Fenster, dort wo das Piano stand zu ziehen. Doch die Dinger waren so fest und wollten sich einfach nicht herunterreißen lassen. Irgendwie funktionierte es dann doch. Es kam aber die ganze Gardineneinrichtung mit Haken, Stange und viel Putz herunter. Als nach zwei Tagen irgendein Appell in der Aula stattfand, wurde es dann doch bemerkt. So haben wir es bei einem Aulafenster belassen. Trotz der vielen schwarzen Schlaghosen, aufgeflogen sind wir nicht! 30.12.2005

 







Historische SINGER Nähmaschine - Photo by Thomas Gozdziewicz, 2004 for "Wikipedia"

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