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Der Laubfrosch

eine Geschichte

erzählt von Margitta Sándor

Es muss in den großen Ferien von der 4. zur 5. Klasse gewesen sein, denn ich erinnere mich, dass es sehr schönes Wetter war. Mit Sicherheit aber war es Sommer. Marion Becker und ich wir durften uns während der Ferien um die Fütterung der Tiere kümmern. Riesige Aufgabe! Es war schon eine Auszeichnung, wenn man beim Hausmeister klingeln durfte, um den Schlüssel für das Lehrmittelzimmer zu holen. Die Tiere, das waren zwei Laubfrösche, Feuersalamander und Molche in einem Terrarium untergebracht zwischen Landkarten, Korbblütlern und Riesenaugen aus Gips. Die Fütterung erfolgte gegen 10.00 Uhr ein- bis zweimal in der Woche. Nun ergab es sich, dass einer der Laubfrösche dicke Backen machte und vielleicht, weil er dem Weibchen imponieren wollte, knarrende Geräusche von sich gab. Das war für uns schon spektakulär. Jedenfalls kamen wir zu dem Entschluss, da stimmt was nicht. Das muss beobachtet werden. Also sind wir am nächsten Tag, zur größten Verwunderung des Hausmeisters, wieder angetrabt und stellten fest, der Frosch hat nur noch eine dicke Backe, der ist eindeutig krank! Wenn der nun stirbt. Der muss zum Tierarzt. Klar, aber wo ist ein Tierarzt? Im Zoo !!! Fällt aus, das kostet Eintritt, Geld hatten wir keins. Tierklinik, an der Messe muss die irgendwo sein, ja. OK - Wie kommen wir dahin? Erst Bus und dann Bahn. Also, den Frosch in ein Glas gepackt, Deckel drauf mit Löchern drin und ab ging die Post. Ich glaube wir haben leere Milchflaschen geklaut, um das Geld für Bus und Bahn auftreiben zu können, 40 Pfennige gab’s Pfandgeld. Uns war schon klar, das konnte nicht reichen, aber wir waren uns sicher, bei solch einer Rettungsaktion hat die LVB mit uns ein Einsehen, jedenfalls war das das Top Thema währen der ganzen Kutscherei. Irgendwann sind wir an der Deutschen Bücherei ausgestiegen. Natürlich nicht ohne uns mehrfach versichert zu haben, dass wir auch wirklich richtig sind. So nach dem Motto einmal fragst Du und einmal frage ich. Schluss - endlich waren wir in der Veterinär Universitätsklinik. Jedenfalls wurde auf dem Hof ein Pferd behandelt. Auf unsere Bitte, um Hilfe für den Frosch, wurden wir tot ernst in ein Labor gebracht, wo wir warteten. Es erschien im weißen Kittel ein Arzt!!! Immer ein seeehr freundliches Lächeln auf den Lippen erklärte er uns, dass der Frosch eigentlich nicht so sehr krank ist, aber es könne ihm geholfen werden. Mit einer Spritze, die für meine Begriffe, viel zu groß war, wurde das Problem behandelt und uns auch eidesstattlich versichert, dass es JA, Geld kostet, wenn man Tiere behandeln lassen will, aber NEIN; in unserem und einem so speziellen Fall, kann man darauf verzichten. So sind wir beide, stolz wie die Könige, wieder nach Hause gereist. Wir waren mit Sicherheit 5 Stunden unterwegs. In der festen Überzeugung Heldentaten vollbracht zu haben, ohne einem Kontrolleur zu begegnen, hungrig wie die Wölfe haben wir den Frosch in der Schule abgeliefert, und ein riesiges Ferienabenteuer ist auch noch nach so langer Zeit im Gedächtnis an meine Schulzeit hängen geblieben.
08.02.2006

 

Foto "Veterinärmedizinische Fakultät" Leipzig

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